Beratungspraxis-Bernd Fetzer Supervision & Coaching Vorträge und Seminare
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Erinnerungen an einen Freund!

Als mir Hartmut vor 2 Jahren einen schweren Packen Papier übergab, ahnte ich noch nicht so richtig, was ich damit machen sollte. Es waren unzählige Gedichte, die einen Zeitraum von fast 50 Jahren umfaßten. Die ersten Lieben, die Neugier aufs Leben, Lust auf das Unbekannte und Fremde. Unbeschwert udn natürlich alles in Reimen. Denn im schwäbischen Schwarzwald ist ein Gedicht nur ein Gedicht, wenn`s sichs reimt. Alles hat schließlich seine Ordnung. Dann aber auch "seine" Biographie. Neugierig begann ich zu lesen, denn es war ja zum großen Teil auch meine Biographie. Vieles daran und darin berührte auch mich. Gemeinsamer Wohnort im Ziegeltal: gemeiname Schule und gemeinsame Zeitgeschichte. Der Auf- oder Ausbruch der 68-er Jahre, die Auseinandersetzung mit unserer Elterngeneration. Aber auch die Geborgenheit und Sicherheit des Religiösen. Der "schwäbische Pietismus" der in seiner Vorsehungsfrömmigkeit ein strammes Korsett abgab, das stützt, aber auch behindert. 

 

Doch bei allem Gemeinsamen blieb es doch seine Biographie, denn der Mensch ist nicht nur seine Gesichte, sondern immer auch Einer, der sich als Einzelner aus seiner Zeit heraus wagt. Der Mensch sei ein "Einzelnes-Allgemeines" hat J.P. Sartrre gesagt. Er kann sich nicht aus der Allgemeinheit der Geschichte herausnehmen, geht aber auch nicht in ihr auf. Dort wo das Einzelne besonders hervortritt, dort wo es sichtbar wird, beginnt seine Biographie. Das Leiden verbürgt nämlich das Individuelle. Leiden musst du immer allein und keine/r kann es stellvertretend für dich tun. So wie das Sterben. Und seine Geschichte beginnt mit der Diagnose eines, seines Tumors.

 

Und da ist Hartmut an keinen Stil und kein Chambre gebunden. Manchmal nur Telegramm, weil Krankheit und Diagnose dies erfordern. Denn Turmore eignen sich nicht für schön-geistiges Ausufern. Erleichtert-schön, wenn es um Begegnungen und Gespräche in den Raucherecken ging. Wenn das Krankenzimmer verlassen und die Macht der Ärzte gebrochen war. Die Raucherecken waren immer geöffnet. Tag und Nacht. Nachts wertvoller als bei Tage. Hartmut hat gerne und bis zum Ende geraucht. Aber auch ein wenig kitschich bei der Beschreibung erster Lieben und zaghafter Begegnungen. Die Diagnose gab ihm das Recht der Ungebundenheit.      

 

Nur noch kurze Zeit zu leben. Von dort aus, von seinem ersten Klinikaufenthalt aus, schreibt er seine Geschichte und läßt den Blick kreisen über sein ganzes Leben. Was ist wichtig, was soll bleiben? Was hält ihn in dieser Zeit, was verändert ihn, wie leidet und kämpft ein schwäbischer Pietist, und wie nützlich sind hier Traditionen und schwäbischer Pragmatismus? Eine Geschichte, eine Zeitgeschichte, die von seinem kleinen Ort aus, seinem Haus und seiner Familie aus geschreiben wird und den Tod einkalkuliert. Kleine Geschichten die nichts sein wollen als klein, die aber doch seine Welt zusammenhalten sollen.

 

Ich war berührt und nur die eigene Krankheit und die Behinderungen im Coronajahr haben mich gehindert etwas zusammenzuschnüren, was seine Geschichte ans Licht einer Öffentlichkeit bringt. Vor möglichen Lesungen und  Vorstellungen, die geplant und auch schon gut organisiert sind, will ich auf dieser Seite - in memoriam - einige Gedichte und Teile seiner Biographie vorab vorstellen.       

 

 

Den ersten Text könnt ihr unter der Rubrik "Prosa" lesen.

 

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