Beratungspraxis-Bernd Fetzer Supervision & Coaching Vorträge und Seminare
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"Was geschieht, wenn ich mit den grossen und kleinen Katastrophen meines Lebens nicht zum Psychologen, sondern ins Kloster gehe? 

Dieser Johann Baptist Metz entlehnte Satz meint nun keinesfalls, dass das eine besser oder gewichtiger wäre als das andere. Er heißt nicht, dass das Kloster oder die Kirche mehr zu bieten hätte als die ganze Bandbreite therapeutischer Interventionen. Es geht um die Entdeckung und das Fruchtbarmachen „der Unterbrechung“ als kritisches Element. Und Klöster sind nun in ihrer ganzen Eigenart Unterbrechung pur. Dies zeigt sich schon an dem oder den ersten Tagen. Die Linearität des gewohnten und strukturierten Alltages von Draußen lässt sich so einfach nicht abschütteln. Die Gebetszeiten sind nun das strukturierende Element und stören den gewohnten Fluss. Ich esse nicht mehr wann ich will, sondern wenn zum Essen gerufen wird. Ich bin nun letztlich nicht mehr Herr meiner Zeit, bestimme also nicht mehr wann und wo ich etwas tue oder unterlasse, sondern deutlich ist nun meine Zeit in anderen Händen.  Die Ikone an der Wand, direkt über meinem PC, erinnert und mahnt mich, dass ich hier an einem Andersort“ bin und mich in einem strukturell anderen Lebensrahmen befinde. Dass hier Maria mit ihrem Kinde auf mich herab blickt und nicht ich zu meinen geliebten Expressionisten hinauf, macht den Wechsel des Subjekts des Handelns deutlich. Von nun an passiv „Angeschauter“ und nicht mehr  aktiv „Schauender“. Während im Anschauen eines Bildes der schauende Mensch sich nach Umberto Ecco durchaus als pluraler „Vollender“ fühlen kann, so als Angeschauter in seiner ganzen unvollendeten und immer offen-verletzlichen Seite. Ikonen haben in der ostkirchlichen Tradition eben nicht nur den Charakter als Kunstwerke, sondern haben eine eigene Art der Subjektivität“[1], die den Betrachter schamlos entblößen, ihn aller Selbstrechtfertigungen berauben und ihn so ziemlich nackt stehen lassen. Ikonen sind nach Adorno Monaden, also etwas, was sein Ziel in sich trägt und nicht von außen bestimmt werden kann. Ikonen sind auf der einen Seite dauernder Mangel, weil sie nicht fertiges „Sein“, sondern dauerndes „Werden“ sind. Auf der anderen Seite zeigen sie aber auch einen andauernden „Überschuss“ an, der zur Vollendung drängt. Der ehemalige Abt des Klosters Niederalteich Emmanuel Jungclaussen beschreibt dies als Spannung „zwischen dem Tremendum als abdrängender Scheu und dem Fascinosum als sehnsuchtsvoller Anziehung“.

 

Es durchzieht das ganze Klosterleben. Nicht mehr Subjekt seiner Geschichteund vieler seiner Handlungen zu sein, sondern Objekt innerhalb eines abgegrenzten eines Andersortes. Natürlich gibt es keinen Automatismus in dieser Umkehr und nicht jeder Klosteraufenthalt führt zu dieser behaupteten Subjektverdrehung und natürlich kann ich die Tage im Kloster auch „nur“ zur Ruhe und zum Ruhen nutzen, was jedoch vermutlich auch nicht ganz folgenlos bleibt, denn auch äußere Räume und Orte konditionieren einen inneren Resonanzraum.  Wer sich also auf das „Abenteuer“ Kloster ernsthaft einlässt, scheint zunächst wesentliches zu verlieren. Nicht mehr Herr im eigenen Hause zu sein, sondern in einem Haus zu sein, wo offensichtlich ein Anderer Herr ist.  

 

 

 

[1] Das Kunstwerk und die Monade in Adorno`s  Ästhetische Theorie. http://roland9000.com/?p=328