Pfarrer Bernd Fetzer Wenn alles passt und nichts mehr geht?! Unterbrechung als Programm. Vorträge, Seminare und Texte
Pfarrer Bernd Fetzer Wenn alles passt und nichts mehr geht?! Unterbrechung als Programm.Vorträge, Seminare und Texte

Johann Baptist Metz  (1928 - 2019). Katholischer Theologe und ein Lehrer der Unterbrechung.  

 

Für mich ist er unendlich wichtig geworden, weil er prägnant zusammenfasst, was meinen eigenen Glauben am Leben erhält.  Nicht das ruhige und zufriedene Leben ist Ziel jeder christlichen Nachfolgegemeinschaft, sondern Unruhestifter müssten wir alle werden und jenseits unserer allzu bürgerlichen Vorstellung von gelingendem Leben, das Ungelungene in den Blick nehmen. Dann wird jedes "Weiter-So" unterbrochen und Neues ist möglich. 

Die kürzeste Definition von Religion ist "Unterbrechung"

Die kürzeste Definition der Religion sei die „Unterbrechung“. So hat es der katholische Theologe Johann Baptist Metz formuliert. Und ich habe ein Faible für die „Unterbrechung“, weil mir alles, was nach einem „Weiter-so“ klingt, hilflos und altbacken vorkommt und der Komplexität unserer Welt nicht angemessen ist. Vor allem aber produziert und verlangt das „Weiter-So“ immer die gleichen Lösungsmuster, die das Alte zementieren und alles Neue unter den Generalverdacht des Unsinnigen und Störenden zwingt. Das schaurige Wort von der „Alternativlosigkeit“ macht aus dem Bestehenden einen unangreifbaren Mythos. Und dieser Mythos wird unterfüttert mit der scheinbaren Planbarkeit und Machbarkeit alles Zukünftigen, mit einer behaupteten störungsfreien gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und mit der sicheren Herstellbarkeit von Glück und Zufriedenheit. Diese Lösungsversessenheit in allen Teilbereichen übertüncht das, was der Soziologe Hartmut von Rosa als Unverfügbarkeit und Kontingenz beschreibt. Nicht alles ist lösbar, nicht alles herstellbar und schon gar nicht beherrsch- und planbar. Die derzeitige sichtbar krisenhafte Wirklichkeit untergräbt den Machbarkeitswahn der Moderne und verweist auf die Dauerhaftigkeit von Instabilität. Doch nicht die Instabilität wird zum Ausgangspunkt aller Denkbewegungen genommen – am ehesten noch in der Theologie -, sondern es werden immer lauter und dringlicher schnelle Lösungen eingefordert, die dann auch noch den Charakter der wissenschaftlichen Rationalität aufweisen müssen. Doch sind Lösungen angesichts dauerhafter Krisen nur produzierbar auf Kosten einer deutlichen Reduktion der Komplexität von Wirklichkeit.        

Unterbrechungen tun hier Not! Unterbrechungen machen zwar die Sache nicht einfacher, schaffen aber Raum und Zeit sich der Komplexität zu stellen und ihr nicht auszuweichen.  Dies ist die Klammer, die diese Homepage in allen Teilbereichen umschließt. Ob Beratung, Supervision, Vorträge oder Veröffentlichungen – sie alle dienen dem Zweck der modernen Lösungsversessenheit einen Plural von Verstehensmöglichkeiten entgegen zu setzen, die nicht um die „richtigen und wahren“ Lösungsschritte bemüht sind, sondern im nichtausschließenden Denken, die Potentiale der „anderen“ Möglichkeiten in immer neuen  Konstellationen entdecken.

Viel Spaß und Entdeckerfreude auf den kommenden Seiten!