Beratungspraxis-Bernd Fetzer Supervision & Coaching Vorträge und Seminare
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"Kürzeste Definitionn von Religion: Unterbrechung"         Johann Baptist Metz 

"Die gute Nachricht", so lautet der Titel einer sogenannten modernen Bibelübersetzung. Keiner - wie ich finde - besonders guten Übersetzung, aber der Titel erfreut sich umfangreicher Beliebtheit. Denn er passt in die stetig steigende Liste der Ratgeber und die anschwellenden Bücherberge die "gutes und gelungenes Leben" versprechen. Die "gute Nachricht" als Garant für ein glückliches Leben!? 

 

Denn das wirklich Gute an der Bibel ist.... , dass diese Nachricht stört und so gänzlich "unpassend" ist. Wie sollte auch das Kreuz in eine Gesellschaft passen, die das "gelingende Leben" zum Maßstab aller Dinge macht. Das Kreuz stellt sich solidarisch neben all das Leben, das scheinbar nicht gelungen ist. "Es steht nicht zwischen zwei Kerzenleuchtern auf einem Altar, sondern findet sich draußen vor den Türen, zwischen zwei Räubern" (Jürgen Moltmann), also mitten in den Tragödien des Lebens.

 

Mitten im Leben kann Theologie nur betrieben werden, kann von Gott und der Welt nur "Mit dem Gesicht zur Welt" gesprochen werden. Die Menschen und die zerissene Welt sind ernsthafte und wissende Gesprächspartner, die Gott in den Konflikten und Brüchen der Welt suchen und ihn eben nicht immer finden und ihn vermissend beklagen. Nur die "Lösungsversessenheit" vieler Christen und Theologen kann diese Brüche überspringen. Mit dem Gesicht zur Welt, kommen dann auch Antwort- und Frageversuche in den Blick, die ansonsten dogmatisch ausgeblendet werden. Viele große Theologen haben dabei sowohl die Volksfrömmigkeit, als auch die großen säkularen Strömungen, ja selbst den Atheismus, als wichtige Gesprächspartner entdeckt. Sie alle beziehen sich auf die eine Wirklichkeit und Theologie müsste wieder lernen, dass die menschliche Wirklichkeit selbst ein "theologieproduktiver Ort" ist. Denn in dieser Wirklichkeit leben und denken Menschen; leiden und freuen sich dieselben und gestalten und verändern diese. 

 

Mit dem "Gesicht zur Welt" will ich auf dieser Seite immer wieder Frage- und Antwortversuche besprechen, die sich den Stachel des kindlichen "Weiterfragens" nicht nehmen lassen und sich allen voreiligen und billigen Tröstungen entzieht.